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Arth: Volksmusiker Rees Gwerder gestorben

von SDA für 'Freier Schweizer' vom 07. Januar 1998

Der Volksmusiker Rees Gwerder ist in der Nacht auf Sonntag im Altersheim Hofmatt in Arth gestorben. Er stand im 87. Altersjahr. Gwerder hat sich als Stegreifmusikant und Schwyzerörgeler einen Namen gemacht. Der Musik des Autodidakten lagen altüberlieferte Muotathaler Melodien zugrunde.

Andreas Gwerder wurde am 30. Juli 1911 im Muotathal als Sohn eines Bergbauernehepaares geboren. Bereits mit sechs Jahren begann er auf dem Schwyzerörgeli zu spielen. Noten lesen lernte er nie. Er brauchte eine Melodie bloss ein- oder zweimal zu hören, dann konnte er sie auswendig zu spielen. Bereits mit 15 Jahren soll er rund 100 Tanzstücke beherrscht haben. Gwerder lebte während 35 Jahren im Muotathal, dann zog er nach Arth, wo er mit seiner Frau ein Bauerngut bewirtschaftete.

1930 trat Gwerder erstmals öffentlich auf. Neben dem aussergewöhnlich grossen Repertoire - es umfasste letztlich gegen 300 Stücke - wurde seine Musik durch den Spielwitz und die Fähigkeit zur Improvisation geprägt. Von der Plattenindustrie wurde er erst zu Beginn der sechziger Jahre entdeckt. Dabei musste man den zurückhaltenden Musiker aber erst überreden, bis er mit 52 Jahren die Einwilligung zu Tonaufnahmen gab. Inzwischen gehört seine Diskographie allerdings zu den umfangreichsten im Bereich der Schweizer Volksmusik.

Musikalischer Filmprotagonist

Seine letzte Einspielung machte der „König des Schwyzerörgelis“ mit 80 Jahren. Gwerder gehörte auch zu den Hauptprotagonisten des Musik- und Landschaftsfilms „Ur-Musig“ von Cyrill Schläpfer aus dem Jahre 1993. Schläpfer hat Gwerders Musik - und damit auch die überlieferten Muotathaler Melodien - auf mehreren CD‘s dokumentiert.

Die letzten Jahre verbrachte Rees Gwerder im Altersheim in Arth. Seinen letzten öffentlichen Auftritt bestritt er 1995. Ein Jahr später feierte er mit vielen Musikfreunden seinen 85. Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit griff der gebrechliche Veteran erneut in die Tasten des Schwyzerörgelis. Schon zuvor aber klagte er, die Finger wollten nicht mehr, wie der Kopf wolle. „Oben geht es schon noch, aber unten kommt nichts mehr raus“.

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