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REES GWERDER (86) Er starb mit seiner Musik im Ohr

von Angela Fässler für 'Blick' vom 05. Januar 1998

Zürich- Rees Gwerder konnte keine Noten lesen und war trotzdem der Grösste: Jetzt ist der Volksmusik-König tot!

Schwyzerörgeli, Brissago und Schnupftabak. Das war sein Leben - fast 87 Jahre lang. Rees Gwerder starb in der Nacht auf Sonntag im Altersheim Hofmatt in Arth SZ.

„Rees wurde in den letzten Monaten immer schwächer“, erzählt Pöstler Seebi Schmidig, der mit dem urchigen Muotathaler 20 Jahre lang geörgelet hatte und wenige Stunden vor seinem Tod noch bei ihm war. „Ich legte seine letzte CD „Tänz us em Geisshimmel“ für ihn auf. Später kamen seine beiden Töchter und liessen die ganze Nacht seine Musik laufen.“ Das war es auch, was der urchige Bergbauer am liebsten hörte: Nur seine eigene Musik, nie etwas anderes!

Über 300 Tänze gehörten zu seinem Repertoire. Als Fünfjähriger hatte er sich das Schwyzerörgelispielen selber beigebracht. Er brauchte die Melodie bloss ein- oder zweimal zu hören, dann konnte er sie auswendig spielen.

„Der Rees, der stammte noch aus einer anderen Zeit“, sagt sein Musikproduzent Cyrill Schläpfer, der mit Gwerder als Hauptprotagonisten auch den Film „UR-Musig“ gedreht hat. „Er war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit“.

Ungewöhnlich waren auch seine Gewohnheiten: Bei Auftritten trank Gwerder warme Milch mit Kräuterschnaps, sonst „Kafi Rees“ (ein Mix aus Kaffee, Wein, dazu fünf Stück Zucker). Und sein Leibgericht war Geissenmilch mit Polenta-Brösel. „Das mussten wir ihm sogar während unserer Tournee durch die USA organisieren“, erinnert sich Seebi Schmidig mit Schmunzeln.

Seit 1992 lebte Gwerder im Altersheim. Obwohl es ihm dort gut ging - gewöhnen konnte er sich daran nie so richtig. Von geselligen Anlässen hielt er nicht viel. Er sass lieber im Zimmer und rauchte.

Das fiel ihm seit Herbst immer schwerer - er konnte sich kaum noch bewegen. „Es schmerzte Rees am meisten, dass er sein hundertjähriges Schwyzerörgeli nicht mehr spielen konnte“, erzählt sein bester Freund Ludi Hürlimann. „Von da an ging es mit ihm bergab.“

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