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HERTZ : LP-REVIEW

von Diedrich Diederichsen für 'Sounds' 1982

 

Hertz ist eine eigenständige, konsequente Schweizer Pop-Band. Weder sind sie anglo-amerikanischen Vorbildern sklavisch ergeben, noch nagt an ihnen irgendein aufdringliches pupertäres Lebensgefühl. Bezeichnend für ihre Annäherung an die Materie ist ihre rohe, spannungsreiche, aber nie denunzierende Version von Abbas 'SOS'. Hertz gelingt es, für die Schweiz eine ähnliche, einerseits lokale, aber andererseits nie provienzielle Stilvielfalt aufzubauen, wie es z.B. Family Fodder geschafft haben; also nach vorne, zwischen Funk, Schaumburg, sanften Chansons und Früh-Talking-Heads-Up-Tempo-Balladen. (Ronnie Amslers unaufdringliche Gitarre erinnert an den frühen Byrne). Betonung liegt allerdings auf zwischen; denn diese Musiken werden nicht als Bruchstücke behandelt und neu zusammengefügt. Sie taugen nur begrenzt zur Eingrenzung dieser Musik, bilden allenfalls ihren Horizont. Instrumental bleiben Hertz frei von Modernismen; eine unaufdringlich eingesetzte, effektfreie konventionelle Rockbesetzung ohne Synthesizer oder exotische Instrumente. Das Schlagzeugspiel von Evelyn Müller ist allerdings unkonventionell (nicht dilettantisch) und sehr akzentenreich. Die Texte, verspielt und garantiert frei von Peinlichkeiten, tragen dem dreisprachigen Heimatland Rechnung. Alle drei Teilschweizen kommen idionatisch vor, und auch sonst werden Themen behandelt wie 'Gotthardurchstich' oder ganz allgemein 'La Suisse': 'La Suisse la petite au grand esprit / travail maxi, poet mini / gardant le fric poure vivre chic / entre les flics fantastiques'. Und origineller als ihre zivilisationsgeschädigten Landsleute wenden sich der 'Grünzone der Stadt' zu.
Hertz sind für mich ein zeichen, dass sich in der Schweiz eine Entwicklung abzeichnet, gute Melodien und zurückhaltend kartographische Texte an die Stelle des allgegenwärtigen Neue Musik Pathos zu setzen, ohne dabei auch nur entfernt in die Nähe der neuen deutschen Albernheit zu geraten. Aber die war ja eh last years thing.

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